Zum Inhalt springen
    Cybersecurity Studie Schweiz 2026 — Matterhorn mit digitaler Sicherheitsanalyse
    Studie8. April 2026 12 Min Lesezeit

    Cybersecurity Studie Schweiz 2026: 3,3 Mio. Domains analysiert — kritische Schwachstellen im Ökosystem

    Die Swiss Digital Infrastructure Study 2026, herausgegeben von risikomonitor.com, ist die bisher umfassendste strukturelle Analyse des Schweizer .ch-Domain-Ökosystems. Auf Basis von 3.306.952 aktiven .ch-Domains liefert die Studie systemische Erkenntnisse zu Marktkonzentration, Infrastrukturverteilung, Technologie-Stack, Sicherheitsexposition und Barrierefreiheit.

    Executive Summary

    Die Schweizer Digitalinfrastruktur ist geprägt von starker Plattformkonzentration, Apache-Monokultur, hoher Unix/Linux-Dominanz und grossflächiger WordPress-Abhängigkeit. Cyber-Risiko wird weniger durch isolierte Schwachstellen bestimmt, sondern durch die Expositions-Skala in Kombination mit Software-Konzentration. Resilienz hängt daher von Lifecycle-Governance, Abhängigkeitstransparenz, strukturiertem Patch-Management und Hosting-Accountability ab.

    Methodik und Datensatz

    Der Datensatz umfasst 3.306.952 aktive .ch-Domains — nahezu vollständige Abdeckung des Schweizer Domainraums. Die Analyse verwendet automatisierte Erkennung und Fingerprinting-Methoden über öffentlich zugängliche Web-Oberflächen und Infrastruktur-Ebenen (Public, Deep und Dark Web). Die Barrierefreiheits-Tests wurden an einem definierten Subset von 22.378 Domains durchgeführt.

    Registration und Registrar-Landschaft

    Der Schweizer Registrar-Markt zeigt starke Konzentration: Die Top 30 Registrare verwalten rund 77% aller analysierten Domains. Schweizer Registrare stellen den grössten Anteil, gefolgt von Deutschland und den USA. Der jährliche Umsatz allein durch .ch-Domain-Registrierungen wird auf rund CHF 39,9 Mio. geschätzt; inklusive angrenzender Dienste (Hosting, E-Mail, SSL) liegt der Gesamtmarkt unter CHF 250 Mio.

    Die ältesten registrierten .ch-Domains stammen vom Januar 1996 — darunter Klassiker wie bancomat.ch, blick.ch, computerworld.ch und finance.ch.

    Hosting und Infrastruktur

    Etwa 58% der analysierten .ch-Domains werden von Schweizer Hosting-Anbietern verwaltet. Die restlichen 42% nutzen ausländische Infrastruktur, primär aus den USA (17%), Deutschland (15%) und Israel (7%). Zürich ist der dominierende Infrastruktur-Hub mit 749.525 gehosteten Domains bei 237 Anbietern. Genf folgt mit 178.449 Domains.

    Die Top-10-Hosting-Anbieter umfassen Hostpoint (23,6%), Infomaniak (14,6%), Metanet AG (13,2%), Amazon (11,6%), Hetzner (10,6%), Wix.com (6,8%), cyon AG (6,4%), Cloudflare (5,5%), hosttech (4,5%) und REGISTER (3,0%).

    Infrastruktur-Standort der .ch-Domains

    Quelle: Swiss Digital Infrastructure Study 2026 — risikomonitor.com

    Top-10-Hosting-Anbieter (Marktanteil %)

    0%6%12%18%24%HostpointInfomaniakMetanetAmazonHetznerWix.comcyonCloudflarehosttechREGISTER

    Quelle: Swiss Digital Infrastructure Study 2026 — risikomonitor.com

    Web- und Technologie-Stack

    WordPress allein macht 49,2% aller erkannten CMS-Installationen aus (1.660.074 Websites). Diese Konzentration erzeugt einen dualen Effekt: Sie erhöht die systemische Exposition bei gemeinsamen Schwachstellen, ermöglicht aber auch skalierbare Behebung bei plattformweiten Updates. jQuery 3.7.1 ist die am häufigsten erkannte JavaScript-Library (1.027.052 Domains). Apache dominiert als Webserver-Technologie.

    Rund 88% der WordPress-Installationen zeigten Update-Aktivität im Jahr 2025, konzentriert auf Juli und August. Die verbleibenden 12% ohne Update-Aktivität bilden eine strukturell persistente Expositionsschicht.

    CMS-Marktanteil: WordPress-Dominanz

    Quelle: Swiss Digital Infrastructure Study 2026 — risikomonitor.com

    WordPress-Update-Aktivität 2025

    Quelle: Swiss Digital Infrastructure Study 2026 — risikomonitor.com

    Barrierefreiheit

    Eine automatisierte Barrierefreiheitsprüfung an 22.378 Domains ergab: Nur 2,81% zeigten null erkennbare Verstösse. Rund 60% der Websites clustern zwischen 3 und 5 Verstössen pro Seite. Die Schweiz unterliegt, anders als die EU, keiner harmonisierten Barrierefreiheitspflicht für private digitale Dienste — Schweizer Unternehmen, die EU-Märkte bedienen, können aber den Anforderungen des EU Accessibility Acts unterliegen.

    Barrierefreiheits-Verstösse pro Website

    01–23–56–1010+Verstösse0%15%30%45%60%

    Quelle: Swiss Digital Infrastructure Study 2026 — risikomonitor.com

    Server- und DNS-Sicherheit

    Die Serverumgebung wird von Unix/Linux dominiert (CentOS, Ubuntu, Debian). SecureDNS-Mechanismen (DNSSEC) sind bei 51,3% der Domains implementiert — eine moderate Adoptionsrate, die auf Verbesserungspotenzial hinweist.

    DNSSEC-Adoption bei .ch-Domains

    Quelle: Swiss Digital Infrastructure Study 2026 — risikomonitor.com

    CVE-Exposition — Die Kernaussage der Studie

    Die CVE-Analyse offenbart systemische Exposition in grossem Massstab:

    • Kritische Schwachstellen (CVSS ≥ 9.0): Circa 553.389 Domains pro CVE-Identifier betroffen (16,6% des Ökosystems)
    • Hohe Schwachstellen (CVSS 7.0–8.9): 583.000–596.000 Domains betroffen (17–18%)
    • Mittlere Schwachstellen (CVSS 4.0–6.9): 487.000–629.000 Domains betroffen (15–19%)

    Legacy-CVEs aus 2007–2013 persistieren bei nahezu identischen Expositionsniveaus (~629.659 Domains), was auf strukturelle Abhängigkeit von gemeinsamen Legacy-Server-Branches hindeutet. Gleichzeitig erreichen neu offengelegte CVEs aus 2023–2025 vergleichbare Expositionslevel, was zeigt, wie schnell Risiken sich in standardisierten Umgebungen ausbreiten.

    Vier bestätigte kritische CVEs betreffen Apache-Komponenten: CVE-2024-38474 (CVSS 9.8, Remote Code Execution), CVE-2024-38476 (CVSS 9.8, interne Redirect-Manipulation), CVE-2024-38475 (CVSS 9.1, mod_rewrite Filesystem Escaping) und CVE-2008-3844 (CVSS 9.3, Debian OpenSSL).

    CVE-Exposition nach Schweregrad

    Critical (≥9.0)High (7.0–8.9)Medium (4.0–6.9)0150000300000450000600000

    Quelle: Swiss Digital Infrastructure Study 2026 — risikomonitor.com

    Fazit

    Das Schweizer digitale Ökosystem ist gekennzeichnet durch starke Plattformkonzentration, Apache-Monokultur, hohe Unix/Linux-Dominanz, grossflächige WordPress-Abhängigkeit, überlappende Schwachstellenexposition, persistente Legacy-Software und synchronisierte aber unvollständige Patch-Adoption. Nationale Cyber-Resilienz ist primär eine Frage der Ökosystem-Governance und des Infrastruktur-Designs — nicht einzelner technischer Kontrollmassnahmen.

    Vollständige Studie herunterladen

    Erhalten Sie die komplette Swiss Digital Infrastructure Study 2026 (47 Seiten) als PDF — kostenlos gegen Angabe Ihrer E-Mail-Adresse.

    Pressemitteilungen zum Download

    Bitte Name und E-Mail-Adresse angeben — Sie erhalten einen Bestätigungscode, danach steht der Download bereit.