
Schweizer Hosting ist nur eine Ebene digitaler Souveränität
Wo ein Webserver steht, ist eine wichtige Frage – aber keine vollständige Antwort auf digitale Souveränität. Die Studie „Digitale Souveränität Schweiz 2026“ von Risikomonitor untersucht deshalb vier getrennte Ebenen: Web-Hosting, Zertifikatsausstellung, eingebundene Web-Technologie und E-Mail-Infrastruktur. Grundlage ist die im Studienpaket dokumentierte Erhebung mit Stichtag 25. Juni 2026.
Eine Schweizer Mehrheit auf Domain-Ebene
Die Unterlagen weisen 2.505.168 aktive .ch-Domains aus. Für 2.107.563 Domains war eine IP-Geolokation möglich. Davon wurden 1.090.053 Domains beziehungsweise 51,7 Prozent einem Serverstandort in der Schweiz zugeordnet; 1.017.510 beziehungsweise 48,3 Prozent lagen im Ausland.
Diese Quote beschreibt Domains, nicht Unternehmen, Eigentumsverhältnisse oder den Speicherort sämtlicher Daten eines Dienstes. Auch ein in der Schweiz gehosteter Webauftritt kann ausländische Mail-, Analyse- oder Infrastrukturangebote nutzen.
Der Nenner verändert das Bild
Wer jede Domain zählt, gewichtet Shared-Hosting-Anbieter mit vielen Domains auf wenigen Servern besonders stark. Bei einer Betrachtung nach einzelnen Server-IP-Adressen ergibt die Erhebung eine andere Verteilung: USA 29,9 Prozent, Deutschland 28,2 Prozent und Schweiz 21,5 Prozent.
Beide Perspektiven beantworten unterschiedliche Fragen. Die Domainquote zeigt, wo Webauftritte enden; die IP-Quote beschreibt die Verteilung der zugeordneten Infrastruktur. Aus keiner dieser Zahlen allein folgt die rechtliche Kontrolle über einen Anbieter.
Zertifikate und eingebundene Dienste
Auf der Zertifikatsebene weist die Presseunterlage 97,7 Prozent der gültigen .ch-Zertifikate US-Zertifizierungsstellen zu. Schweizer Web-Technologie ist ebenfalls häufig mit ausländischen Diensten verbunden: 882.670 Domains binden laut Erhebung mindestens einen US-Dienst ein. Die angegebene Quote von 77,6 Prozent bezieht sich ausdrücklich auf länderscharf zuordenbare Domains – nicht auf sämtliche aktiven .ch-Domains.
Ein Zertifikatsaussteller betreibt dabei nicht automatisch den Webserver und erhält nicht allein durch das Ausstellen eines Zertifikats Zugriff auf dessen Inhalte. Die Kennzahl beschreibt eine Abhängigkeit der Vertrauenskette, nicht den Nachweis eines Datenabflusses.
E-Mail als separate Abhängigkeit
349.377 Domains nutzen nach den Unterlagen Microsoft 365 oder Google Workspace für ihre E-Mail. Das entspricht 19,4 Prozent der Mail-führenden Domains. Die Nutzung eines US-Anbieters allein belegt weder einen US-Speicherort noch einen konkreten Behördenzugriff; dafür müssen Verträge, Dienstkonfiguration, Datenregion und rechtliche Rahmenbedingungen gesondert geprüft werden.
Was Unternehmen daraus ableiten können
Eine Souveränitätsprüfung sollte die vier Ebenen getrennt erfassen. Sinnvoll ist eine dokumentierte Bestandsaufnahme von Hosting, Zertifikatskette, externen Einbindungen und Mail-Diensten. Daran schliessen sich die Prüfung von Verträgen, Unterauftragnehmern, Drittlandbezügen und Wechselmöglichkeiten an.
Quelle und Grenzen: Dieser Artikel fasst die vom Herausgeber bereitgestellte Studie, das Working Paper und die Pressemitteilung zusammen. Erhebungsstand: 25. Juni 2026. Die Kennzahlen werden als Ergebnisse dieser Erhebung wiedergegeben; eine unabhängige Wiederholung der Rohdatenanalyse ist damit nicht verbunden. Die Originalunterlagen stehen im Bereich Publikationen nach E-Mail-Verifizierung bereit.
Studie und Presseunterlagen
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Originaldokumente: Deutsch · PDF
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