
Binance ist kein Einzelfall: Über vier Millionen Kundenzugänge bei Krypto-Plattformen kompromittiert
Ende Oktober 2026 flossen nach Angaben des Betreibers rund 6,3 Mrd. USD aus den Hot Wallets von Binance ab – der größte bisher verzeichnete Diebstahl im Kryptobereich. Die Studie „Crypto Platforms 2026 – IT Security Evaluation“ der risikomonitor.com gmbh über 78 Krypto-Plattformen zeigt, dass dieser Fall kein Ausreißer ist.
Das Wichtigste in Kürze
- 4.041.255 kompromittierte Kundenzugänge bei 71 der 78 Plattformen, allein bei Binance 1.094.759 – abgegriffen von Schadsoftware auf den Geräten der Kunden.
- 72 der 78 Plattformen hatten seit 2011 mindestens einen dokumentierten Sicherheitsvorfall; insgesamt 85 Vorfälle mit rund 14,8 Mrd. USD Nominalschaden.
- 11.945 Lookalike- und Phishing-Domains nutzen die Marken der Plattformen. Auf 24 selbst registrierte Lookalikes – die erste vor über zwei Jahren – hat keine Plattform reagiert.
- Von 45 erreichbaren Startseiten setzen 9 keinen der sechs grundlegenden Sicherheitsheader, darunter Binance. Nur 9 setzen alle sechs.
- Auch Hardware-Wallets sind kein sicherer Hafen: 2026 trafen Vorfälle Coldcard, über einen Wiederverkäufer vertriebene Ledger-Geräte und Keystone.
Ein Laptop, eine Million Konten
Beim Diebstahl verschaffte nach Angaben von Binance der kompromittierte Laptop eines eigenen Ingenieurs den Zugang. Doch schon vorher wies Binance mehr kompromittierte Kundenzugänge auf als jede andere Plattform. Diese Zugangsdaten und Sitzungen stammen von Infostealern auf den Rechnern der Kunden und umgehen die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Im Sicherheitsranking der Studie erreicht keine Plattform mehr als 60 von 100 Punkten.
Die Marke als Einfallstor
Die kundennahe Schutzschicht wird von den Plattformen weitgehend als außerhalb ihrer Zuständigkeit behandelt. Gefälschte Plattform-Seiten sind zahlreich, Markenüberwachung fehlt, und grundlegende Absicherungen, die BSI IT-Grundschutz und OWASP seit über einem Jahrzehnt empfehlen, sind bei vielen Anbietern nicht umgesetzt.
Konzentration als Systemrisiko
Die 4,04 Mio. kompromittierten Zugänge entsprechen nach eigener Schätzung Beständen von 4 bis 21 Mrd. USD. Zugleich liegen 94 % der 949 echten IP-Adressen der Plattformen in IP-Netzen von US-Anbietern und damit in Reichweite des CLOUD Act.
> „Das größte Risiko der Blockchain ist nicht die Kette, sondern die Plattformen darauf. Sie sind als Institution reguliert, aber die Ebene darunter, die Marke und das Gerät des Kunden, bleibt weitgehend ungeschützt“, sagt Manuel Löw-Beer, Founder & CEO der risikomonitor.com gmbh.
Studie, Working Paper und Presseinformation
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Quelle und Einordnung: risikomonitor.com gmbh, „Crypto Platforms 2026, IT Security Evaluation“, November 2026, sowie Löw-Beer, M. (2026), Risikomonitor Working Paper WP 2026-14, Version 2.1. Vorfälle geprüft anhand von Stellungnahmen der Betroffenen oder On-Chain-Analysen benannter Anbieter (Stichtag 30. Oktober 2026). Passive Erhebung; Zugangsdaten nur aggregiert ausgewertet. Der Wert von 4 bis 21 Mrd. USD ist eine eigene Schätzung. Titelbild: KI-generiertes Symbolbild.
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