
299.283 offene Windows-Fernzugänge in Europa: NIS2-Ländervergleich mit allen 28 Ländern
risikomonitor.com · Hintergrundbericht · Stand 1. Oktober 2026
Die NIS2-Richtlinie war bis 17. Oktober 2024 in nationales Recht zu überführen. Fast zwei Jahre später setzt Österreich sie mit dem NISG 2026 am 1. Oktober 2026 in Kraft, vier Mitgliedstaaten stehen vor dem Europäischen Gerichtshof. risikomonitor.com hat am selben Tag den öffentlich sichtbaren Bestand an Windows-Fernzugängen in allen 27 Mitgliedstaaten und der Schweiz erhoben. Das Ergebnis stellt eine verbreitete Annahme in Frage.
Das Wichtigste in Kürze
- 299.283 Hosts in 27 EU-Staaten und der Schweiz bieten einen bestätigten Windows-Fernzugang an. Bei 66.963 davon baut das System die Sitzung für jeden Anrufer auf und zeigt den Anmeldebildschirm, ohne vorher eine Anmeldung zu verlangen: 24,4 % der versionsidentifizierten Dienste.
- Zwischen den Ländern reicht die Quote von 7,2 bis 36,3 %. Österreich liegt mit 20,7 % unter dem Durchschnitt, Deutschland mit 25,5 % und die Schweiz mit 27,5 % darüber.
- Irland hat mit 7,2 % die beste Quote – und ist zugleich eines der vier Länder, die die Kommission am 8. Juli 2026 wegen fehlender NIS2-Umsetzung an den EuGH verwiesen hat.
- 34.757 versionsidentifizierte Windows-Hosts laufen ohne jede Sicherheitsversorgung; knapp 180.000 Hosts bieten zusätzlich die Fernverwaltungsschnittstelle von Windows offen an.
- Zwei deutsche Hostinganbieter stellen zusammen 54.296 Dienste und 17.457 ungeschützte Zugänge – jeder vierte in ganz Europa.
- Keiner dieser Dienste steht hinter einer Firewall mit Freigabeliste oder einem VPN. Genau deshalb sind sie messbar.
Wo Europa bei der Umsetzung steht
Am 8. Juli 2026 verwies die Kommission Irland, Spanien, Frankreich und die Niederlande an den Europäischen Gerichtshof; für Spanien beantragte sie zusätzlich finanzielle Sanktionen. Die Niederlande haben im August 2026 nachgezogen. Deutschland setzte am 6. Dezember 2025 um, Österreich am 1. Oktober 2026. Die Schweiz ist kein Mitgliedstaat und hat mit der Meldepflicht nach dem Informationssicherheitsgesetz einen eigenen, enger gefassten Weg gewählt.
Was offen im Netz steht
Für 274.060 der 299.283 Dienste lässt sich die Windows-Version bestimmen. Die absoluten Zahlen folgen der Rechenzentrumsdichte: Deutschland stellt mit 114.880 Diensten gut ein Drittel, dahinter die Niederlande mit 40.911 und Frankreich mit 38.511. Österreich liegt mit 2.617 im unteren Mittelfeld, die Schweiz mit 5.730 etwas darüber. Je Million Einwohner führen die Niederlande (2.273), Finnland (2.070), Deutschland (1.374) und Irland (986) – das misst, wo Server stehen, nicht wie sorgfältig sie betrieben werden.
Konfiguration: Unterschied um den Faktor fünf
Network Level Authentication verlangt die Anmeldung, bevor die grafische Sitzung aufgebaut wird. Ist sie abgeschaltet, richtet das System einem Fremden bereits eine Sitzung ein – genau jener Abschnitt des Protokolls, über den sich bekannte Schwachstellen ausnutzen ließen. Der Anmeldebildschirm verrät zudem Rechnername, Domäne und häufig den zuletzt angemeldeten Benutzer.
Ein Zusammenhang zwischen dem Stand der nationalen Gesetzgebung und der gemessenen Angriffsfläche lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Innerhalb jedes Landes schwankt die Quote zwischen den IP-Netzen weit stärker als zwischen den Ländern: in Deutschland von 0 bis 88 %, in der Schweiz von 1,7 bis 91,3 %, in Österreich von 0 bis 72,7 %. Die Quote eines Landes ist im Wesentlichen ein gewichteter Durchschnitt der Voreinstellungen seiner großen Hostinganbieter.
Veraltete Systeme
Bezogen auf die Fernzugänge laufen 8.083 Dienste (3,0 %) ohne Herstellersupport, weitere 42.939 (15,8 %) nur über erweiterte Sicherheitsupdates. Der größte Block sind 20.369 Hosts aus der Januar-2020-Gruppe (Windows 7 / Server 2008 R2), gefolgt von 7.968 Geräten unter Windows CE in eingebetteten Steuerungen. 451 Hosts laufen noch unter Windows Server 2003, 326 unter Windows XP und 66 unter Windows 2000. Am niedrigsten ist der Anteil veralteter Fernzugänge in Finnland (1,4 %) und Deutschland (1,5 %); Österreich liegt bei 5,5 %, die Schweiz bei 3,7 %. Am 13. Oktober 2026 endet zudem das Übergangsprogramm für Windows 10.
Zwei Anbieter, ein Viertel des Problems
Für 26 große Hosting- und Zugangsanbieter wurden Volumen und Konfiguration erhoben: zusammen 143.855 Dienste und 31.624 ungeschützte Zugänge. Hetzner Online kommt auf 28.039 Dienste mit 31,8 %, Contabo auf 26.257 mit 32,5 %. IONOS, ebenfalls deutsch und mit 17.534 Diensten ähnlich groß, liegt bei 7,5 %; Microsoft bei 3,1 %, Google bei 2,8 %, OVH bei 12,9 %. Innerhalb desselben Marktes und derselben Rechtsordnung unterscheiden sich die Quoten um den Faktor zehn.
Was daraus folgt
Der größere Hebel liegt bei den Anbietern von Systemabbildern, nicht bei einzelnen Betrieben. Eine Meldepflicht allein verändert die Konfiguration nicht; wirksam wären Anforderungen an die Standardkonfiguration ausgelieferter Systemabbilder, ähnlich dem Cyber Resilience Act. Für Unternehmen gilt: Fernzugänge gehören hinter VPN oder Freigabeliste, Network Level Authentication aktivieren, Altsysteme ablösen.
Wie sieht die Angriffsfläche Ihres Unternehmens aus? Risikomonitor zeigt offene Dienste, Datenlecks und Schwachstellen von außen. Jetzt über „Demo / Kontakt“ anfragen.
Alle 28 Länder im Vergleich
Land suchen oder Spalten sortieren. Stichtag 1. Oktober 2026, Rang 1 = niedrigster Anteil ungeschützter Zugänge.
| Rang | ||||
|---|---|---|---|---|
| IEIrland | 5 326 | 7,2 % | 1/28 | 4,3 % |
| BEBelgien | 2 574 | 12,6 % | 2/28 | 4,6 % |
| DKDänemark | 2 283 | 15 % | 3/28 | 3,7 % |
| SESchweden | 5 454 | 16,6 % | 4/28 | 4,2 % |
| MTMalta | 128 | 16,8 % | 5/28 | 5,6 % |
| GRGriechenland | 1 930 | 17,2 % | 6/28 | 6,1 % |
| LVLettland | 974 | 18,1 % | 7/28 | 8,1 % |
| SISlowenien | 733 | 18,9 % | 8/28 | 6,2 % |
| PLPolen | 8 087 | 20,2 % | 9/28 | 3,6 % |
| ATÖsterreich | 2 617 | 20,7 % | 11/28 | 5,5 % |
| CYZypern | 314 | 20,7 % | 10/28 | 5 % |
| HRKroatien | 1 321 | 20,8 % | 12/28 | 6,6 % |
| PTPortugal | 2 443 | 21,4 % | 13/28 | 6,1 % |
| NLNiederlande | 40 911 | 21,8 % | 14/28 | 2,9 % |
| FRFrankreich | 38 511 | 22,3 % | 15/28 | 2,8 % |
| BGBulgarien | 3 412 | 24,2 % | 16/28 | 7,5 % |
| LULuxemburg | 310 | 25,1 % | 17/28 | 3,1 % |
| DEDeutschland | 114 880 | 25,5 % | 19/28 | 1,5 % |
| SKSlowakei | 1 405 | 25,5 % | 18/28 | 8,9 % |
| ITItalien | 13 832 | 26,7 % | 20/28 | 6,4 % |
| RORumänien | 3 426 | 26,8 % | 21/28 | 6,4 % |
| CHSchweiz | 5 730 | 27,5 % | 22/28 | 3,7 % |
| LTLitauen | 2 668 | 28,4 % | 23/28 | 5,4 % |
| ESSpanien | 17 414 | 29 % | 24/28 | 4,3 % |
| HUUngarn | 3 369 | 29,8 % | 25/28 | 4,9 % |
| FIFinnland | 11 594 | 32,4 % | 26/28 | 1,4 % |
| EEEstland | 969 | 35,8 % | 27/28 | 5,2 % |
| CZTschechien | 6 668 | 36,3 % | 28/28 | 5,6 % |
Europäischer Durchschnitt: 24,4 % ohne vorgelagerte Authentifizierung. Werte für Österreich, Deutschland und die Schweiz laut EU-Gesamtbericht.
Länderberichte herunterladen
Bitte Name und E-Mail-Adresse angeben — Sie erhalten einen Bestätigungscode, danach steht der Download bereit.
Weitere Artikel

PHP2Shell: Kritische PHP-Lücke trifft tausende Websites in Österreich und der Schweiz
CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619 erlauben die Fernübernahme von Servern ohne Zugangsdaten. Auf unserer neuen Plattform php.risikomonitor.com können Website-Inhaber kostenlos prüfen, ob sie betroffen sind.

Kommunale IT-Sicherheit: 984 Gemeinden in Combolisten
Unsere Studie analysiert 2.086 österreichische Gemeinden: Zugangsdaten im Darknet, veraltete Software und öffentlich erreichbare Dienste.

Studie: Schatten-IT und Ransomware hängen eindeutig zusammen
Vier von fünf Schweizer Ransomware-Opfern hatten Firmenadressen in Datenlecks – im Schnitt nur jede sechste Firma.