
Die Work-Life-Balance der Cyberkriminellen: Wann Ransomware-Gruppen zuschlagen
Ransomware-Gruppen operieren wie Unternehmen – mit Schichtplänen, Stoßzeiten und strategischem Timing. Eine Analyse der Veröffentlichungsmuster auf Darknet-Leak-Seiten zeigt: Cyberkriminelle haben klare Arbeitsrhythmen, die sich gezielt an den Schwachstellen ihrer Opfer orientieren. Über die Hälfte aller Ransomware-Angriffe erfolgt an Wochenenden oder Feiertagen – genau dann, wenn IT-Teams unterbesetzt sind.
Globales Muster: Wochentags-Verteilung
Die Auswertung von über 7.600 Leak-Seiten-Veröffentlichungen zwischen März 2025 und März 2026 zeigt ein eindeutiges Muster. Dienstag und Mittwoch sind die aktivsten Tage für Veröffentlichungen:
- Montag: 295 Publikationen
- Dienstag: 358 Publikationen (Spitzentag)
- Mittwoch: 342 Publikationen
- Donnerstag: 321 Publikationen
- Freitag: 309 Publikationen
- Samstag: 268 Publikationen
- Sonntag: 272 Publikationen
Samstag und Sonntag sind die schwächsten Tage für Veröffentlichungen, doch die eigentlichen Angriffe finden häufig genau dann statt. Laut Semperis (2025) wurden über 53 % aller Ransomware-Vorfälle an Wochenenden, Feiertagen oder während Unternehmensumstrukturierungen ausgeführt.
Arbeitsprofile der Top-Gruppen
- Qilin – Der unermüdliche Schichtarbeiter: 342 Opfer im Q1 2026, gleichmäßige Verteilung über alle 7 Tage. Ein klares Zeichen für ein Schichtsystem mit mehreren Teams.
- The Gentlemen – Der Dienstags-Spezialist: Dienstag ist mit Abstand der aktivste Tag. Die Gruppe veröffentlicht gesammelte Ergebnisse in einem wöchentlichen „Release-Zyklus".
- LAPSUS$ – Der Wochenend-Krieger: Veröffentlicht fast ausschließlich an Wochenenden – strategisches Timing für maximale Störung bei minimaler Gegenwehr.
- Akira – Der 9-to-5-Kriminelle: Aktivität konzentriert sich auf Montag bis Freitag mit deutlichem Rückgang am Wochenende. Erstaunlich „normales" Arbeitsmuster.
- CL0P – Der Kampagnen-Arbeiter: Intensive Kampagnen-Phasen mit hunderten Opfern, gefolgt von wochenlanger Stille.
Feiertage als Hochsaison
Die Analyse zeigt deutliche saisonale Spitzen. Besonders die Weihnachtszeit erwies sich als Hochphase:
- 26. Dezember 2025: 63 neue Opfer an einem einzigen Tag (+163 % über Durchschnitt)
- Heiligabend: 38 Opfer (+58 %)
- Weihnachten: 41 Opfer (+71 %)
- An jedem einzelnen DACH-Feiertag lag die Ransomware-Aktivität über dem Durchschnitt – im Schnitt um +40 %
Was bedeutet das für Unternehmen?
- Wochenend-Bereitschaft: SOC-Teams müssen an Wochenenden und Feiertagen gleichwertig besetzt sein
- Dienstag als Risikotag: Incident-Response-Teams sollten zu Wochenbeginn besonders aufmerksam sein
- Dezember-Vorbereitung: Vor den Feiertagen alle Patches einspielen, Backups prüfen und Notfallpläne aktualisieren
- M&A-Phasen absichern: 60 % der Angriffe korrelieren mit Unternehmensveränderungen
- Automatisierung statt Manpower: EDR, automatisiertes Patch-Management und KI-basierte Anomalieerkennung sind notwendig
Fazit
Ransomware-Gruppen haben eine bessere Schichtplanung als die meisten IT-Abteilungen ihrer Opfer. Solange Unternehmen ihre Cyberabwehr um 17 Uhr herunterfahren, werden Kriminelle genau diese Lücke ausnutzen.
Pressemitteilung herunterladen
Bitte Name und E-Mail-Adresse angeben — Sie erhalten einen Bestätigungscode, danach steht der Download bereit.
Weitere Artikel

PHP2Shell: Kritische PHP-Lücke trifft tausende Websites in Österreich und der Schweiz
CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619 erlauben die Fernübernahme von Servern ohne Zugangsdaten. Auf unserer neuen Plattform php.risikomonitor.com können Website-Inhaber kostenlos prüfen, ob sie betroffen sind.

Kommunale IT-Sicherheit: 984 Gemeinden in Combolisten
Unsere Studie analysiert 2.086 österreichische Gemeinden: Zugangsdaten im Darknet, veraltete Software und öffentlich erreichbare Dienste.

Studie: Schatten-IT und Ransomware hängen eindeutig zusammen
Vier von fünf Schweizer Ransomware-Opfern hatten Firmenadressen in Datenlecks – im Schnitt nur jede sechste Firma.